Patientenguide · Erste Schritte
Erste Schritte nach der Krebsdiagnose:
Was jetzt wirklich wichtig ist
Eine Krebsdiagnose verändert alles – von einem Moment auf den anderen. Das Wichtigste zuerst: Sie haben Zeit. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, was jetzt zählt, welche Rechte Sie haben und wo Sie qualifizierte Unterstützung finden.
Stand: Mai 2026 · Kein Ersatz für ärztliche Beratung
1. Sofort nach der Diagnose: Ruhe bewahren
Schock, Angst, Überwältigung – das sind völlig normale Reaktionen auf eine Krebsdiagnose. Viele Betroffene berichten, dass sie im ersten Moment kaum etwas aufnehmen konnten. Sie müssen jetzt keine Entscheidungen treffen. Die meisten Krebserkrankungen erfordern keine Behandlung innerhalb von Stunden oder Tagen – Sie haben Zeit, Informationen zu sammeln und zu verarbeiten.
Die wichtigsten Sofortmaßnahmen:
- Diagnose schriftlich bestätigen lassen
- Befundberichte und Arztbriefe anfordern und kopieren
- Vertrauensperson hinzuziehen – beim nächsten Gespräch dabeihaben
- Fragen aufschreiben – nichts ist zu klein oder unwichtig
- Keine übereilten Entscheidungen treffen
2. Eine Zweitmeinung einholen – Ihr gutes Recht
Eine Zweitmeinung ist kein Misstrauensvotum – sie ist Ihr Recht und medizinisch wertvoll. Studien zeigen, dass eine Zweitmeinung in einem erheblichen Anteil der Fälle zur Änderung oder Präzisierung des Therapieplans führt. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten in der Regel. Sie können so viele Zweitmeinungen einholen, wie Sie möchten – ohne Begründung.
Besonders empfehlenswert sind zertifizierte Krebszentren der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Sie arbeiten nach festgelegten Qualitätsstandards und verfügen über multidisziplinäre Teams, die komplexe Fälle gemeinsam besprechen.
- Alle Unterlagen und Bildgebungen (CT, MRT auf CD) mitbringen
- Kostenerstattung bei der GKV vorab schriftlich anfragen
- Zweitmeinung schriftlich bestätigen und mit dem Original vergleichen
- Auch die Zweitmeinung darf und sollte kritisch hinterfragt werden
3. Ihre Patientenrechte bei Krebs kennen
Das Patientenrechtegesetz stärkt Ihre Position. Kennen Sie Ihre Rechte – sie helfen Ihnen, aktiver an Ihrer eigenen Behandlung teilzunehmen und informierte Entscheidungen zu treffen:
Recht auf vollständige Aufklärung
Ihr Arzt muss Diagnose, Behandlungsoptionen und Risiken verständlich und vollständig erklären.
Einsicht in die Patientenakte
Sie haben jederzeit das Recht, Ihre Unterlagen einzusehen und auf eigene Kosten Kopien zu erhalten.
Recht auf Zweitmeinung
Ohne Begründung und ohne Begrenzung. Die GKV übernimmt die Kosten in der Regel.
Recht auf Ablehnung
Sie können Behandlungen ablehnen oder abbrechen – auch gegen ärztlichen Rat und ohne Angabe von Gründen.
Unabhängige Patientenberatung
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) bietet kostenlose, neutrale Rechts- und Sozialberatung.
4. GKV-Leistungen bei Krebs: Was Ihnen zusteht
Gesetzlich Versicherte haben umfangreiche Ansprüche. Fragen Sie Ihre Krankenkasse konkret – und bestehen Sie auf Ihren Leistungen. Vieles muss aktiv beantragt werden:
- Alle medizinisch notwendigen Behandlungen – Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapie, zielgerichtete Therapien
- Psychoonkologische Beratung – begrenzt je nach Krankenkasse, aber grundsätzlich anspruchsberechtigt
- Onkologische Rehabilitation – Anschlussrehabilitation (AHB) oder stationäre Reha
- Zweitmeinung – bei bestimmten Diagnosen gesetzlich verankert
- Haushaltshilfe – bei Krankenhausaufenthalt und wenn Kinder im Haushalt leben
- Krankengeld – ab der 6. Woche der Arbeitsunfähigkeit (nach Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber)
PKV-Versicherte: Je nach Tarif oft umfangreicher. Fragen Sie gezielt nach: Psychoonkologische Begleitung, Ernährungsberatung, Komplementärmedizin, alternative Heilmethoden, Chefarztbehandlung und Einzelzimmer. Viele Leistungen müssen vorab genehmigt werden.
5. Wichtige Dokumente sichern und organisieren
Eine gut geführte persönliche Akte entlastet Sie und erleichtert Arztgespräche, Zweitmeinungen und Anträge erheblich. Legen Sie einen Ordner an – physisch oder digital:
- Alle Arztbriefe und Befundberichte chronologisch sammeln
- Histologiebefund und Staging-Angaben (Tumorformel) notieren
- Bildgebung (CT, MRT, PET, Röntgen) auf CD beim Radiologen anfordern
- Blutbilder und Laborwerte aufbewahren
- Aktuelle Medikamentenliste inkl. Dosierung führen
- Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen oder aktualisieren – am besten frühzeitig
- Betreuungsverfügung bei Bedarf erstellen lassen
6. Ganzheitliche Unterstützung in Anspruch nehmen
Neben der medizinischen Behandlung gibt es begleitende Angebote, die Lebensqualität und Wohlbefinden deutlich verbessern können. Sie ersetzen keine Schulmedizin – sie ergänzen sie. Viele dieser Angebote werden von GKV oder PKV zumindest teilweise übernommen:
Psychoonkologie
Professionelle Unterstützung bei der seelischen Verarbeitung von Diagnose, Therapie und Unsicherheit. Hilft nachweislich, die Behandlung besser zu überstehen.
Ernährungsberatung
Gezielter Aufbau von Kraft und Nährstoffversorgung – besonders wichtig während Chemotherapie und Bestrahlung.
Bewegungstherapie
Angepasste körperliche Aktivität verbessert Lebensqualität und kann Nebenwirkungen wie Fatigue lindern.
Sozialberatung
Hilfe bei finanziellen Fragen, Anträgen, Schwerbehindertenausweis und der beruflichen Situation.
Familienbegleitung
Unterstützung für Partner, Kinder und Angehörige – die ganze Familie ist von der Diagnose betroffen.
7. Anlaufstellen und Beratungsangebote bei Krebs
Sie müssen diese Phase nicht alleine durchstehen. Es gibt viele qualifizierte Anlaufstellen – viele davon kostenlos:
Krebsinformationsdienst (KID)
0800 420 30 40 – kostenlos, Mo–Fr 8–20 Uhr
Ärztliches Fachpersonal des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) beantwortet Fragen zu Diagnose, Therapie und Unterstützungsangeboten – vertraulich und kostenlos.
- Deutsche Krebshilfe – Informationen, Broschüren, Förderung von Selbsthilfegruppen und Forschung
- Bayerische Krebsgesellschaft – regionale Beratungsstellen im gesamten Freistaat Bayern
- Selbsthilfegruppen – Austausch mit Menschen in ähnlicher Situation, vor Ort und online
- Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) – neutrale Rechts- und Sozialberatung
Häufige Fragen nach der Krebsdiagnose
Was sind die ersten Schritte nach einer Krebsdiagnose?
Habe ich das Recht auf eine Zweitmeinung bei Krebs?
Was übernimmt die GKV bei einer Krebserkrankung?
Welche Dokumente brauche ich nach der Krebsdiagnose?
Wo finde ich Unterstützung nach einer Krebsdiagnose?
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Weitere Ressourcen im Patientenguide
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